TwoKiwisRBetterThanOne

 
11Februar
2017

Was mir das Reisen bedeutet

Ich sitze auf MEINER Couch, in MEINER Wohnung, an MEINEM Feierabend. Wir sind zurück - auch wenn es mir manchmal - zumindest in meinen Gedanken - gar nicht so vorkommt. Wir leben ein ganz normales Leben, gehen unseren Berufen nach, haben Familie und Freunde um uns und diese wunderschöne Wohnung, in der wir uns einfach nur wohlfühlen, wenn wir aus dem Fenster schauen und den Thüringer Wald und seine nebelumhüllten Hügel sehen.

Da ist nur diese eine Sache. Die Tage vergehen - und unser großes Abenteuer, unsere große Reise liegt immer weiter zurück in der Vergangenheit. Mehr als ein halbes Jahr ist vergangen. Und ich bin ehrlich - ich vermisse dieses klitzekleine, niedliche Land mit niedlichen Menschen, freundlichen Menschen. Wo man an jeder Ecke mit einem offenen Lächeln rechnen kann. Wo die Uhren anders schlugen und Freiheit mein Alltag war. Wo wir kaum etwas besaßen und doch mehr hatten, als wir je für möglich gehalten hätten.

Jeden Tag träume ich mich für ein Weilchen zurück nach Neuseeland. Dann sehe ich Gesichter von Freunden. Linda, Danny, Ophelie, Carine, Stefi, Ernesto, Tommy, Lawrence, Mirai, Thomas, ... Dann streife ich zwischen gigantischen Kauribäumen und Farnen und Lianen durch den Bush, höre Maori-Gesang, Kea- und Tui-Rufe. Dann stehe ich auf dem Gipfel des Mount Avalanche und überblicke unglaubliche Weite und majestätische Berge, und wenn ich den Berg wieder hinabklettere, dann bewege ich mich leichtfüßig und frei. Und Lars und ich, wir singen das Lied "Ich wandre ja so gerne" und formulieren den Text um in "...am Arthurs Pass durch das Land..."

Wenn ich die Augen öffne, dann sitze ich auf meiner Couch in meiner Wohnung und ich habe tatsächlich einen Fernseher, der sinnlos flackert.

Wieso das Wiederkommen gut für mich war, auch wenn ich mir so manches Mal wünschte, noch immer mit Rosie-Van durch die engen Gravel Roads zu fahren, den nächsten Summit zu besteigen, den nächsten Tui singen zu hören?

Wieder in Deutschland zu sein ist wichtig und richtig. Denn erst jetzt, wo wir wieder hier sind - merke ich, wie sehr ich mich verändert habe, mich selbst gefunden habe. Es brauchte das Zurücksein, um mir klarzumachen, wie wichtig diese Reise war. Wie viele Dinge mir bewusst geworden, was mir wichtig, und was mir unwichtig geworden ist. WIE WENIG man WIRKLICH braucht, um glücklich zu sein.

Wir werden uns immer erinnern. Und doch weitermachen. Denn jeder Tag zählt - und wer weiß? Vielleicht ist die nächste Reise ja gar nicht mehr so weit...

 

17Juni
2016

Vorbei die Reiserei...

Nach 360 Tagen, 50 Blogeinträgen, 84 Kommentaren (Dankeschön an Knut :-) ), 4 Ländern und unzähligen Erfahrungen und Erlebnissen...       

...sind wir zurück. Können unser Glück nicht fassen, all unsere Freunde und unsere Familie wieder zu sehen und in die Arme schließen zu können. Schaut man sich hier, zu hause im heimischen Thüringen um, sieht die Städte und Dörfer, die voller Geschichte stecken... ist es irgendwie, als wäre man niemals weg gewesen. Und doch sind wir im Kopf noch gar nicht so hundertprozentig wieder angekommen. Im Kopf, da sind wir irgendwie immernoch auf unserer schönen Insel Kho Kood. Mit einem Kokosnussshake in der Hand und den Dschungelgeräuschen hinter'm Haus.

Kho Kood war für uns die Insel der absoluten Entspanntheit. Doch eines Tages, es war ein Mittwoch, brachten uns Fähre und Bus zurück nach Bangkok: in die absolut un-entspannteste Stadt überhaupt. Bangkok war auch diesmal wieder zu laut, zu viel, zu schnell gewesen. Und wir hatten ein paar stressige letzte Tage in Thailand. Wenn wir jetzt an Thailand zurück denken, dann sehen die Erinnerungen und Bilder in unserem Kopf aus, wie ein Daumenkino. Die Zeit war unser Gegenspieler und verging ohne Rücksicht auf uns - rasend schnell.

Doch noch musste man immerhin nicht verstehen, dass das Abenteuer bald vorbei sein würde - denn es gab immernoch Dubai. Und Dubai überraschte uns in jeglicher Hinsicht.

Da Dubais Hotels bekanntermaßen pompös und teuer sind, hatten wir uns im Vorfeld eine Unterkunft über "Couchsurfing" gesucht. Couchsurfing ist eine Internetseite, auf der Reisende Reisenden helfen. Man meldet sich hier an, um seine Couch Fremden für umsonst zur Verfügung zu stellen - trifft so Menschen von der ganzen Welt, lernt dazu und hat selbst wiederum die Möglichkeit auf eine freie Unterkunft in einem anderen Land.

Über Couchsurfing lernten wir Ashraf kennen, einen jungen und lockeren Reisefreund aus Dubai Zentrum. Ashraf nahm uns in seiner Wohnung auf, wie alte Freunde. Seine Gastfreundschaft und Offenheit waren rührend.

Am Abend ließ er uns teilhaben an seinem absoluten Dubai Insider Wissen. Aber vom Feinsten! Obwohl wir vom Flug und den aufregenden letzten Tagen ausgelaugt und müde waren, war es ein zauberhafter Abend. Erst in der Nacht erwacht Dubai so richtig zum Leben - vorallem jetzt, da Ramadan ist und die Leute bis Sonnenuntergang weder essen, noch trinken dürfen. Ganz Dubai ist darauf ausgerichtet, bei Nacht zu glänzen und perfekt zu sein. Im Gegensatz zu Bangkok findet man hier keinen einzigen Krümel Müll. Dafür glitzert und leuchtet alles. Und Ashraf brachte uns an die Orte, von denen man den besten Blick auf das glitzernde Dubai haben konnte.

In einem nach 1001 Nacht aussehenden Marktgebäude gab es kleine Shisha-, Öllampen- und Aladinschuh -Stände. Später hatten wir von der großen Marina aus einen genialen Blick auf die berühmte Skyline der Stadt und schließlich gingen wir arabisch essen - in Ashraf's Lieblingsrestaurant! Wahnsinn!!! Anders als in Deutschland gibt es dort nicht ein großes, aus Beilage, Fleisch und Gemüse bestehendes, Gericht - sondern es gibt viele viele kleine Gerichte über den ganzen Tisch verstreut und jeder nimmt sich ein Bisschen von allem. Es gab tolles Naanbrot mit verschiedenen Dips und Hummus, Fallaffel und gegrillten Käse. Lecker!

Und wenig später vielen wir beiden nach 24 Stunden des Wachseins erschöpft auf die Couch und schliefen sofort ein. Viel Schlaf gab es wieder nicht! Zu groß war die Aufregung und wir hatten für den nächsten Tag auch einiges geplant. Diesmal gingen wir, allerdings mit hilfreichen Tipps von Ashraf im Gepäck, auf eigene Faust in die Stadt. Da stellten wir fest, wie drückend und heftig die Hitze Dubais ist. Und auch, wenn man dort tatsächlich versucht, WIRKLICH ALLES zu klimatisieren - wooow die Hitze ist kaum auszuhalten. Die eiskalten Klimaanlagen sind auch nicht viel angenehmer.

Den ganzen Tag waren wir durch Dubais Altstadt geschlendert, hatten im Badewannen-warmen Meer gebadet und uns die große Mall mit ihren Aquarien und Wasserfällen und natürlich tausenden von Läden angeschaut. Es war uns fast unmöglich, die Überdimensionalität Dubai's zu begreifen.

Am Abend gab es dann einen tollen Abschied von Dubai, als wir die Lichter- und Fontänenshows vor'm Burj Khalifa besuchten, dem mit 828 m höchsten Gebäude der Welt. Kein Prunk und kein Glanz kann zu viel sein für diese Stadt des schönen Größenwahnsinns, in der man sich trotzdem irgendwie wohl fühlen muss - bei Nacht auf jeden Fall. 

Wir verabschiedeten uns von Ashraf, dank dessen Hilfe unsere Zeit in Dubai unvergesslich bleibt - und der uns eine ganz andere Seite Dubais gezeigt hat. Vielleicht ist es die unnatürlichste Stadt der Welt, aber es ist auch die glitzerndste. Und wenn man weiß, wo man hingehen muss, findet man Orte aus 1001 Nacht und denkt, man wäre im Märchen "Aladin und die Wunderlampe" gelandet. Klar bevorzugen wir Berge und Wildniss und Natur und die wunderschönen ländlichen Gegenden auf dieser Welt. Aber dennoch sind wir der Meinung, dass Dubai irgendeinen Zauber hat und definitiv einen Besuch wert ist. Am besten mit Hilfe der allwissenden Einheimischen.

Irgendwie blieb dann gar nicht mehr die Zeit, um Dubai zu verarbeiten, oder auch nur darüber zu reden - war es denn wirklich schon so weit? War ein Jahr wirklich so schnell vergangen? Sobald der Flug nach Frankfurt überstanden war, und wir im Zug Richtung Erfurt saßen, gab es irgendwie keine Worte mehr, um zu beschreiben, was man dachte. Und ja, man wusste, dass man heute die Liebsten zurückhaben würde. Und auch die Heimat mit all ihren Kiefern und Bergen und Bratwürsten und dem guten deutschen Brot. Das schöne Thürigen kam näher, und wir beobachteten unsere Reise schweigend aus dem Fenster. Die Menschen um uns herum sprachen unsere Muttersprache - was vertraut war, aber auch ungewohnt.

Und nun sind wir zurück! Und wir hätten selbst nicht daran geglaubt, dass alles so wunderbar funktionieren würde, aber wir hatten das unfassbar aufregendste Jahr unseres Lebens! Auch uns beide hat dieses Jahr zusammengeschweißt - wir haben die pure Freiheit erlebt!

Vielleicht sind wir nicht mehr genau die Gleichen, wie vorher - aber reich an Erinnerungen und voller Dankbarkeit an unsere Familie und Freunde, die uns unterstützt und an uns geglaubt haben.

Lars und Desi

01Juni
2016

Unter den Kokosnusspalmen

Buntes Gemenge der Bewohner von Holzpfeilerhäusern. Rot und grün bepinselte Ladenfronten, oder das, was das tropische Wetter und Monsunzeiten davon übrig gelassen haben. Um das kleine Fischerdorf herum: der Dschungel. Das waren die ersten Dinge, die wir von der Insel Kho Kood zu Gesicht bekamen, als unser Schnellboot an dessen gebrechlichen Holzhafen anlegte. Doch uns blieb nicht viel Zeit auf die fremdartige Bilderbuchkullise zu blicken. Das Taxi wartete schon, brachte uns über die einzig befestigte Straße durch den Busch hindurch zu unserem Gästehaus.

Kho Kood ist eine zu großem Teil unerschlossene Insel, die weitestgehend aus dem undurchdringlichen Wald besteht. Wie schon erwähnt, gibt es hier nur eine befestigte Straße, und diese führt nur um etwa die Hälfte der Insel. Es gibt eine Handvoll kleiner Siedlungen, oder aber auch nur Ansammlung von 3, 4 Häusern - deren Bewohner vom Fischen oder vom Kokosnussanbau leben. Die wenigen Häuser sind aus Holz und offen - man lässt die Natur herein. Wer näher am Wasser wohnt, dessen zu Hause steht auf Stelzen.

Wieder haben wir einen himmlischen Flecken Erde gefunden, den wir fast ausschließlich für uns haben. Zumindest kommt es uns so vor. Nachdem wir das schön untouristische Isaan verlassen hatten, fühlte sich Kho Kood wie eine kleine Fortsetzung an. Die, sich näher am Festland befindende, und allgemein bekanntere Insel Ko Chang fängt den Großteil des Tourismus ab und in dieser Jahreszeit verirren sich sowieso sehr wenige Leute hierher - der Monsun hat angefangen.

Das bedeutet aber nicht, dass es den ganzen Tag regnet. Meist kommt die ganze Ladung runter wenn man sich eh nicht draußen aufhält. In der Nacht oder am frühen morgen - und am Nachmittag dann, kann man Spaß haben. Hin und wieder passierte uns aber dann doch ein ganz plötzlicher und unvorhergesehener Guss während wir unterwegs waren. Und dann gießt es gleich wie aus Eimern... oder Badewannen! Der Vorteil daran, in der Regenzeit auf die Insel zu kommen ist, neben den wenigen Menschen und der Ruhe... dass wir die Insel in voller Blüte erleben. Wortwörtlich! Man spürt, dass die Natur das Wasser sehnlichst erwartet hat. Die Dschungelblumen blühen in Rosa, Gelb und Rot. Die Schmetterlinge sind unterwegs. Die Wasserfälle strotzen vor Kraft und schicken unermüdlich Tonnen von Wasser in die Seen, die sich füllen und von einheimischen Jugendlichen besucht werden - die sich endlich über eine wahre Abkühlung freuen. Wir auch!

Viele Tage verbringen wir auf der Veranda: mit einem Buch und einem Kokosnussmilchshake bewaffnet sitzen wir vor unserem kleinen Holzhaus unter den Kokosnusspalmen und lassen einfach nur die Seele baumeln. Wenn es dunkel wird, kommen so einige abenteuerliche Geräusche aus dem Wäldchen hinter unserer Hütte und große Insekten oder eher Flugsaurier besuchen uns auf der Veranda.

An anderen Tagen leihen wir uns das Moped aus und erkunden die schöne Insel, ihre entspannten Bewohner und ihre oftmals unberührte Natur.

Am ersten Tag auf Kho Kood haben wir eine kleine Wasserfalltour gemacht und sie alle 3 gefunden: Klong Chao, Klong Yai Kee und Huang Nam Keaw. In 2 der 3 Wasserfälle waren wir auch baden und fanden dabei tatsächlich zum ersten Mal klares und frisches Wasser in Thailand, das uns einen kühlen Kopf bereitete, bevor die Mopedrunde weiterging.

Allerhand eigentlich wundervolle Strände haben wir besucht und dabei einen Makel an unserer Trauminsel gefunden: Der Müll ist zurück. Zwar schaffen es die Mitarbeiter der Strandresorts ganz gut, vor ihren eigenen Stränden aufzuräumen, 10 Meter weiter weg dann aber nicht mehr. Was sehr traurig ist, bei den im Grunde postkarten-schönen Stränden. Baden waren wir natürlich trotzdem im warmen Meerwasser, oder kamen einfach nur mit dem Moped vorbei, um den Sonnenuntergang anzuschauen.

Ein anderer kleiner Ausflug führte uns zurück ins Fischerdorf, an dem unsere Fähre uns damals abgesetzt hatte. Diesmal hatten wir endlich Zeit, um genauer hinzuschauen. Hier kann man sich das Meerestier seiner Wahl direkt vom Netz aussuchen - und dann kommt es gleich auf den Teller. Frischer geht kaum noch!

Es ist ein ganz bescheidenes und langsames, aber glückliches Leben, das hier geführt wird. Irgendwie nochmal ganz anders, und viel lockerer. Auch wir lockern uns nochmal auf und genießen die Entspanntheit und das Nichtstun, bevor es ganz ganz bald Richtung Heimat geht.

31Mai
2016

Das Dschungelbuch

      

Wir öffnen heute unser Dschungelbuch für euch, zeigen euch die Bilder und erzählen euch die Geschichten, die sich an unserem Tag im großen Khao Yai Nationalpark zugetragen haben.

In Pak Chong, im Süden Isaans, kamen wir also in der "Green Leaves Lounge" unter und hatten unserem eigenen kleinen Bungalow. Auch, wenn wir uns hier noch gar nicht ganz direkt im Nationalpark befanden, merkten wir bereits, dass dies ein ziemlich wilder Ort war, voll von großen, grünen Schmetterlingen. Ein namenloser Vogel, den man immer nur hörte und niemals sah, sang die ganze Nacht lang fröhlich auf einem Baum über unserem Bungalow. Ein fröhliches, fremdes Lied. In der Ferne quarkten die Frösche.

Einmal am Tag nehmen die Mitarbeiter der Lodge ihre Gäste mit in den Nationalpark. Für einen kleinen Aufpreis geben sie sich Mühe, dir so viele wilde Tiere wie möglich zu zeigen, erklären dir Pflanzen und Wurzeln und für was all das gut ist.

Unsere Gruppe, eine Mischung aus Koreanischen, englischen und deutschen Gästen, hüpfte in einen kleinen, offenen Safari-Bus. Und dann gab es ersteinmal für jeden ein paar Blutegelstrümpfe, die in der Trockenzeit auch vor Zecken schützen. Todschick, die Dinger.

Der Dschungel, den wir dann schließlich zu Fuß betraten, war wunderschön verschnörkelt, Banyan-Bäume und Lianen ineinander verschlungen. Die Grillen übertönten meist die tollen Vogelgesänge, manchmal klangen sie regelrecht, als hätte jemand mitten im Urwald eine Kreissäge angestellt! In unser Gruppe dagegen herrschte Schweigen - aus Staunen oder aus Respekt vor diesem Ort, oder aber, aus Hoffnung dadurch eher auf ein paar tierische Dschungelbewohner zu treffen. Und vielleicht half das wirklich. Schon bald hatten wir ein Hornbill-Paar gesichtet, das gerade seine Jungen fütterte. Ihre Bananen-Nasen sind nicht das einzig faszinierende an ihnen. Ihre Flügel können eine Spannbreite von bis zu 2 Metern erreichen. Seit dieser Begegnung steht fest, dass wir bei unserem ersten Einkauf zurück in Deutschland eine Tüte Haribo Exotic kaufen werden!!

Eine Weile liefen wir weiter und unser Führer ging immer mit einem Ohr vorraus. Hier und da kommunizierte er auf eine sehr faszinierende Art mit Vögeln, immitierte deren Gesang. Wir fanden eine giftige Spinne, bald darauf ein "Gigant-Eichhörnchen" und dann wurde es richtig spannend, als wir auf eine ganze Familie Gibbons trafen, die sich von Ast zu Ast schwangen, und versuchten, ihr Junges auch zum springen zu motivieren.

Kopfgroße Elefanten-"Äpfel" lagen ständig im Weg herum. Man stolperte hier und da darüber, wenn der Vordermann einen nicht vorgewarnt hatte - wir alle wollten nun endlich den Elefanten hinter den Äpfeln sehen. Doch wir sollten uns vorerst in Geduld üben. Die Umgebung einstudieren und den Vögeln... oder naja den Grillen lauschen.

Schließlich vergaßen wir alle unseren Wunsch, endlich die wilden Elefanten zu sehen, als unser Guide eine geniale Entdeckung machte. Eine leuchtend grüne, und beruhigender Weise um diese Uhrzeit schlafende, Pit-Viper lag auf den Ästen zwischen ebenso grünen Blättern. Niemals nie und nie nie wäre uns diese Schlange aufgefallen, mit ihrer erstklassigen Tarnung!

 

Im Falle, dass man von dieser Schlange gebissen wurde, hat man etwa 10 Stunden Zeit, ein Gegenmittel zu bekommen. Wichtig ist aber, dass der Arzt ganz genau weiß, um welche Schlange es sich handelt... Augen auf im Dschungel!! Übrigens fanden wir wenig später noch das passende Pit-Viper Weibchen zu dem oben abgebildeten Männchen. Es hing direkt über unseren Köpfen im Baum. Aber keine Panik! Es war ja Pit-Viper-Schlafenszeit. Findet die Schlange im Bild:

Wir begegneten vielen Rehen, großen und kleinen, und mehreren Horden Affen, großen Eidechsen und Millionen von Schmetterlingen. Die Gruppe freute sich immer über Schmetterlinge, die auf Händen und Schultern und Köpfen landeten, bis unser allwissender Guide uns aufklärte, dass die Schmetterlinge den Geruch von Schweiß einfach unwiderstehlich finden... :-)

Und dann wurden wir schließlich für unsere Geduld belohnt. Wir hatten gerade eine Pause in einem kleinen Café hinter uns und saßen schon wieder im Bus, bereit, loszufahren, als unser Guide einen Anruf bekam. Nur 100 Meter von uns entfernt trieb sich endlich der lang ersehnte Elefant herum. Schlenderte entlang eines fast ausgetrockneten Flussbettes, wusch sich und pflückte mit seinem Rüssel ein paar leckere Blätter vom Baum.

Wenn man einen einen wilden Elefanten beobachten will, sollte man sich mindestens 30 m von ihm entfernt aufhalten. Elefanten rennen nur 30m. Dann müssen sie erstmal ein Päuschen einlegen.

Auch für uns wurde es nun Zeit für eine Pause. All das gesehene musste man ersteinmal verarbeiten, die Bilder im Kopf sortieren. Wir verließen den undurchdringlichen Dschungel und den Khao Yai Nationalpark am frühen Abend. Es war ein Tag, der uns wohl immer in Erinnerung bleiben wird. 

Am folgenden Tag dann, dachten wir uns "Probier's mal mit Gemütlichkeit." Es wurde Zeit für die Insel. Mehr dazu beim nächsten Mal.

27Mai
2016

Abseits der Touristenpfade

In unseren Tagen in Sukhothai sind sowohl Lars, als auch Desi einmal über ihren Schatten gesprungen. Lars aß Ei! Zu Desi's großer Überraschung gab es für ihn an zwei Tagen in Folge Omelette zum Frühstück!!!

Und Desi fuhr Fahrrad…

Seite an Seite fuhren wir am Dienstag nachmittag durch die Ruinen der einstigen Hauptstadt. Insgesamt fanden wir das ganze noch hübscher und gewaltiger anzusehen, als bei unserem Besuch in Ayutthaya zwei Tage zuvor. Es gab mehr Verziehrungen hier und da, Elefantenfiguren, große Steingehöfte und natürlich wieder die allgegenwärtigen Buddhafiguren. Ein richtiges uralt-Gefühl umgab die Steintürme, es war gut einmal hier gewesen zu sein – vorallem wenn einem dabei der Fahrtwind um die Nase wedelt (36 Grad Nachmittagshitze).

Anschließend fuhren wir noch durch ein paar Parks und Teile der Stadt, was interessant war, leider aber zu voll von Müll, um entspannend zu sein. Doch wir sollten den Müll bald hinter uns lassen.

Bei allem, was wir bisher in Thailand erlebt hatten, hatten wir Spaß. Doch irgendetwas störte uns, oder fehlte uns. Wir kamen hier her, um Thailand kennen zu lernen. Doch man kann sagen, es hatte sich vor uns versteckt. Unter Bergen von Müll, hinter furchtbar aufdringlichen Straßenhändlern oder hinter der Tourismusfassade. Ja, der Massentourismus. Vielleicht war es das, was uns gestört hatte – wir wollten abseits der typischen Touristenpfade wandern. Und fanden nun bald den richtigen Ort dafür: Isaan. Nur 1% aller Touristen wagen sich dort hin, dabei kann man hier unverfälschtes Thailand erleben. Und tatsächlich – wohin wir auch gingen: Wir waren immer die Exoten. Das machte es uns auf einer Seite schwer, denn so wenig Touristen, wie es hier gibt, so wenig Englisch sprechende Menschen gibt es. Wir kommunizieren mit ein paar Brocken Thai und unseren Händen und Füßen. Das macht es zur Herausforderung, aber auch spannend. Hier eine Geschichte aus unseren Erlebnissen in Loei, in Isaan:

Loei ist eine recht kleine Stadt, umgeben von Dschungel und Bergen. Unsere Hostelbesitzerin war eine der sehr selten vorkommenden Personen, die Englisch sprechen. Sie empfahl uns als Tagesausflug das Huai Krating Reservoir. Hier könne man gut Essen, es gäbe eine schöne Aussicht, Berge und einen See. Mehr sagte sie nicht, aber man soll ja auf die Tipps der Locals hören. Da auch öffentliche Verkehrsmittel in Isaan Mangelware sind, liehen wir uns ein Moped aus und fuhren los. Irgendwo auf dem Weg fing es an zu regnen. Aus Regen wurde starker Regen und dann Monsun. Wir stellten das Moped kurzer Hand an dem erstbesten Grundstück ab und suchten Schutz vor dem Regen unter einem Dach, in Gesellschaft zweier älterer, freundlich lächelnder Damen. Es stellte sich, trotz Mangel an Worten, bald heraus, dass dies das besagte Resataurant war. Eine der Frauen reichte uns einen Zettel voller… Thaiwörter: Die Speisekarte!! Gut nur, dass wir den Satz „haan me ne ham mai.“ einstudiert hatten, der sagt „Welche Speise empfehlen Sie mir?“ Wir wussten also nicht so recht, was auf uns zukam und saßen völlig durchnässt und ahnungslos neben diesen netten beiden Damen, bis der Regen aufhörte. Da kam ein junger Mann herbei, der 3 oder 5 Wörter englisch sprach. Er brachte uns zum See und einer Reihe offener Bambushäuser, die… auf dem See schwammen! Und in eines der Häuser hinein. Wir staunten nicht schlecht, als er das Haus mit einem Kanu verband und uns hinaus, mitten auf den See brachte. „Mit roter Fahne winken, wenn fertig“ erklärte er noch mit Händen und Füßen und dann war er weg. Nur um 10 Minuten später mit einer gigantischen Mahlzeit aus geräuchertem Fisch, gebratenem Reis und Gemüse zurückzukehren.

Wir verbrachten also einen Nachmittag mitten auf diesem von Bergen umgebenen See, aßen, genossen die Aussicht, chillten, sichteten andere schwimmende Bambushäuser, oder badeten im viiiiel zu warmen See – bis wir irgendwann die rote Fahne schwangen, um wieder an Land gebracht zu werden. ES WAR EIN TRAUM – für 15 Euro!!!

Mit dem Betreten von Isaan ließen wir die verrückten Verkehrsverhältnise hinter uns und den Müll. Menschen waren unglaublich freundlich zu uns und wenn wir irgendwie so aussahen, als bräuchten wir Hilfe, fand sich plötzlich ein Ring aus Menschen um uns herum, und gemeinsam verstanden sie alle ein bisschen mehr, bis uns schließlich geholfen wurde. Wenn wir im Bus saßen und alle sich freuten, Auswärtige im gleichen Bus sitzen zu haben, haben immer einige Leute aufgepasst, dass wir unseren Busstop nicht verpassen (alle Schilder und Ansagen sind in Thai). Die Menschen waren toll! Das Essen war toll – und das, wo uns vor unserer Reise hierher jemand gesagt hatte, wir würden nur Ratten und Insekten in Isaan zu Essen bekommen. Haben wir natürlich nicht einmal irgendwo gesehen… Es ist verrückt, selbst in unserem Reiseführer war Isaan als grauer, öder Ort ohne Sehenswürdigkeiten und mit armen Menschen beschrieben. Dabei ist Isaan bunt und ordentlich und voller lächelnder Gesichter. Erst hier haben wir verstanden, warum Thailand das „Land des Lächelns“ genannt wird.

24Mai
2016

One Night in Bangkok

Auf ein Neues hatten wir einen Flug überstanden – und waren im legendären Bangkok. Ein grünes Taxi, dessen Fahrer absolut kein Englisch sprach, brachte uns irgendwie in unser Hostel. Bereits auf dieser ersten Fahrt in Thailand begrüßten uns die allgegenwärtigen goldüberzogenen Buddha-Figuren. Hier und da standen sie in Straßennähe und, was einen extremen Kontrast darstellte: Zwischen Hochhäusern und moderner Straßenreklame, gab es große Armenviertel und hier und da prunkvolle Tempel.

Unser ziemlich gutes Hostel verließen wir gleich wieder, nachdem wir die Rucksäcke abgeladen hatten. Wir waren neugierig auf diese riesige Stadt und wollten einen tollen Abend haben, in Lars' Geburtstag hineinfeiern. Und dann… hatten wir unser erstes thailändisches Essen.

Eigentlich müsste die Überschrift zu diesem Blog „das Essen“ heißen. Nach einem Jahr in Neuseeland und Australien, waren wir daran gewöhnt, günstig und sparsam zu leben – und hier… hier wird nicht selbst gekocht. Warum sollte man? Für 2 Euro bekommt man an jeder Ecke eine große, gesunde Mahlzeit. Und nicht nur das! Das Essen ist jedes Mal ein Geschmackserlebnis. Ihr müsst euch vorstellen: Man schmeckt Geschmäcker, die man noch nie zuvor geschmeckt hat. :-) Wir sind im Essensparadies.

Ok, aber konzentrieren wir uns wieder auf das eigentliche Thema: Unsere erste Nacht in Bangkok, in der Partymeile. Wir hingen hier und da in einigen Bars ab, und wollten dann ein wenig Tanzen gehen. Aber ihr könnt euch nicht vorstellen, wie laut die Musik in Bangkoks Diskotheken ist. Da macht der eine Club seine Musik lauter, als der andere Club, und der will dann wiederum den anderen übertönen. Es war so extrem, selbst schon von der Straße aus! Die müssen doch alle taub sein… Und stellt euch vor, wir sind sogar zurück zum Hostel gelaufen, um Oropax aus unseren Taschen zu holen. Und als wir zurück in der Partymeile waren… war die Musik aus. Aber nicht, weil wir taub geworden sind. Alle Clubs und Bars hatten Punkt 12 geschlossen. Warum, erfuhren wir wenig später: Es war nicht nur Lars' Geburtstag, sondern auch Buddhas. Im ganzen Land ist dann der Ausschank von Alkohol verboten. Andererseits drohen hohe Geldstrafen und sogar Gefängnis. Soviel also zum Thema „One Night in Bangkok“. Lars' Geburtstag war dennoch ein voller Erfolg. Gleich am Morgen (Nach einem guten, guten Frühstück) fuhr uns unser erstes Tuktuk…

in Richtung der großen Tempel. Auch Touristen ist der Zugang in die heiligen Stätten erlaubt, man muss sich nur an so einige Regeln halten, wie bestimmte Kleidung, bestimmte Gestiken und Bewegungen. Jedenfalls besuchten wir zuerst den Tempelkomplex „Wat Po“, den „Schlafenden Buddha“. In seinem Mittelpunkt liegt eine gewaltige, liegende Buddha-Figur, 46m lang und überzogen von Blattgold. Wir schlenderten durch das Gelände und staunten über all die Kunst, den Prunk und diese so andere Kultur.

Schließlich verließen wir Bangkok, diese irgendwie verrückte Stadt voller Gegensätze und Extreme. Voll von Menschen, die dir ihre Waren andrehen wollen und voll von chaotischem Verkehr. Wir waren froh, all diese Aufregung hinter uns zu lassen. Der 3.Klasse – Zug (ohne Klimaanlage, dafür mit offenen Fenstern) brachte uns für 15 Baht, also 37 Cent, nach Ayutthaya, gen Norden. Hier lebten wir in einem wunderschönen, sehr traditionell aussehenden Hostel. Alles war hölzern, auch unser ganzes Zimmer. Das Haus-eigene Restaurant war spitzenmäßig und Ayutthaya selbst voller Geschichte. Die Altstadt liegt auf einer Insel, die gebildet wird von dem Fluss Chao Phraya und seinen Nebenflüssen. Ayutthaya war einst die Hauptstadt des Königreiches Thailand. Von dieser einstigen mächtigen Zeit sind viele Ruinen übrig geblieben, Tempel, Türme, Paläste, Buddhas.

Eine ganz interessante Geschichte ist mit dem Buddha in diesem Bild hier unten passiert. Einst war dies eine ganze Statue, aus Sandstein gebaut. Durch Krieg und Zerstörung verlor die Figur jedoch ihren Kopf, der in einen Banyan Baum hineinviel (oder aber auch dort von Buddhisten vor Feinden versteckt wurde). Über viele viele Jahre wuchs das knorrige Geäst so um den Kopf, dass es nun aussieht, als wären Baum und Buddha eins. „What Mahathat“ - der „Buddha im Baum“. Faszinierend!!


Von dieser historischen Stadt, ging es in die nächste historische Stadt. Aber dazu später mehr.

18Mai
2016

Unser Road Trip zurück

Auf unserem Weg zurück Richtung Melbourne fuhren wir eine große Schleife, um im "Grampians Nationalpark" vorbeizuschauen. Die Grampian Mountains sind eine sich steil schräg aufbauende Gebirgskette. Ihre Gipfel bestehen aus Sandstein und Kalk und haben teilweise wirklich verrückte Formen! Wir fühlten uns sehr wohl hier, es gab außer uns nicht viele Touristen (zu kalt...), dafür aber umso mehr Kängururs.

Auch, wenn uns hier nur 2 Tage blieben, nahmen wir so viel mit, wie wir konnten. Am ersten Tag ging es seit Langem endlich einmal wieder hinauf auf einen Berggipfel!! Ja, es war mal wieder an der Zeit. Vom höchsten Punkt des Mount Aprupt konnten wir die gesamte Bergkette sehen, auch, wenn sie hier und da in den dunklen Wolken verschwunden war. Wind und Regen machten uns zu schaffen, taten dem guten Gefühl auf diesem Berg aber keinen Abbruch.

Nach einer Nacht im Wald, umringt von Kängururs und Wallabys, gingen wir frisch und munter – und diesmal mit besserem Wetter - eine weitere große Grampians Wanderung an. Dieser Berghöhepunkt wird "Pinacle", also ganz kreativ "Berghöhepunkt" genannt. Zuerst aber stiefelten wir begeistert durch einen Canyon, eine Schlucht, in der sich viele Türmchen aus den verrückten Felsen erhoben. Jeder von uns hat dann seine eigene Art, das gesehene abzuspeichern und zu verarbeiten. Desi macht Fotos, und Lars klettert an den Felsen hoch…

Weiter führte uns der Pfad durch ein kleines Wäldchen, bevor wir auf dem Pinacle genannten Pinacle ankamen. Hier konnten wir bis zurück auf unseren gestern erklommenen Mt. Aprupt schauen und noch mehr, über den See und die Stadt. Unsere bisher beste Wanderung in Australien!

Dennoch. Wind gab es auch hier... Irgendwann musste man den Blick dann lösen und sich in Wind-Sicherheit bringen.

Schließlich verließen wir die schönen Grampians und John Hey brachte uns zurück nach Melbourne... und noch weiter. So schnell war die Zeit vergangen, dass wir uns bereits auf der Zielgeraden Richtung Sydney befanden. Je nördlicher wir dabei kamen, desto besser wurde das Wetter und das machte unsere Reise noch besser! Manchmal war es sogar richtig warm. Badewetter.

Wir besuchten den südlichsten Punkt des australischen Festlandes. Fanden aber den weißesten Sandstrand des ganzen Festlandes ehrlich gesagt interessanter:

Auch unsere Checkliste der Tierwelt Australiens konnten wir noch erweitern. Auf einer nur 50m vom Festland entfernten Insel (die wir kostenlos mit Hilfe einer kleinen Fähre besuchen konnten) fanden wir unzählige Koalas in den Bäumen und ein paar ziemlich große und respekteinflößende Pelikane.

Eines Abends besuchten wir eine ganze Kollonie Flying Foxes. Die großen Fledermäuse hingen zu tausenden um uns in den Bäumen. Sie waren überall, soweit man schauen konnte. Hingen ab, und reckten und streckten sich langsam mit dem Sonnenuntergang, der einen neuen Tag in der Flying Foxes Welt verhieß. Hier war es leider schon zu dunkel für gute Fotos. Doch das Gefühl, und der Anblick, der sich uns bot, waren der Wahnsinn!

Hier und da gab es auch noch ein paar kleine Wanderungen am Rande. Entlang am Meer und hinauf auf Ausblickspunkte…Doch im großen und ganzen konzentrierten wir uns auf uns. Die Tage waren ziemlich kurz. Man wollte vieles sehen, aber hetzen wollte man auch nicht. So kam es, dass wir häufiger auch einfach nur das Meeresrauschen am Strand genossen. Desi auf dem Handtuch sitzend, Lars auf dem Surfbrett... Ja, und nun sitzen wir wieder in Sydney in unserem alten Hostel. Verbringen unsere letzte Australien-Nacht da, wo wir auch die erste verbracht hatten. In den 4 Wochen hier, haben wir versucht so viel wie möglich zu sehen, und so gut wie möglich in diese Kultur einzutauchen. Doch auch, wenn wir uns damit große Mühe gaben, haben wir nur einen kleinen Bruchteil dieses gewaltig großen Landes erlebt. So bleibt uns nur, Australien mit einem guten Gefühl zu verlassen und dem Vorhaben, noch einmal zurückzukommen. Irgendwann.

Ein großes Abenteuer bleibt uns noch auf dieser Reise. Wir sind gespannt und ihr könnt es auch sein. :-)

09Mai
2016

Von den Tropen in den Herbst

Frisch in Melbourne angekommen mussten wir beiden ahnungslosen Touristen ersteinmal feststellen, dass Australien eben NICHT immer und überall und unter allen Umständen WARM ist… Es war 6 Uhr Dienstag morgen, als unser Flieger gelandet war. Es war glatte 25 Grad kälter, als wir es von der letzten Woche im tropischen Darwin gewöhnt waren. Außer Puffreis hatten wir seit einer Weile nichts gegessen und mussten nun noch 2 Busse und einen Zug nehmen + 2 klitzekleine Kilometerchen laufen, um den Autoverleih von „Spaceship“ zu erreichen. Auf der anderen Seite der Stadt. Und nun sind wir stolze Mietbewohner von „John Hey“, unserer neuen Rosie. Ein Toyota Estima, dessen Bett man zu einer coolen kleinen Sitzecke umbauen kann. So können wir auch drinnen kochen und essen und abends ein bisschen herumlungern. Eine willkommene Ausweichmöglickeit bei den Temperaturen hier. In unserer ersten Nacht in John Hey zog sogar ein heftiges Unwetter über Melbourne. Der Wind war so schlimm, dass wir mitten in der Nacht das Auto umparkten, aus Sorge, dass ein Ast auf's Auto stürtzen könnte.

Von Melbourne aus, nahmen wir die Reise erstmal in westlicher Richtung auf. Hier fuhren wir die berühmte „Great Ocean Road“ entlang. Der erste Teil der Route wird auch „Surf Coast Highway“ genannt. Und selbstverständlich ließ Lars sich das nicht zwei mal sagen und stürtzte sich einen ganzen Tag lang in die – zum ersten Mal australischen - Wellen. Entlang der gesamten 243 km der Great Ocean Road zieht sich eine Küste von grandiosen Kalksteinklippen. Durch raues Meer und - wie wir nun wissen - nicht immer gutes Wetter... befinden diese sich in ständigem Wandel.

Doch nicht nur tolle Strände gab es zu besuchen. Jenseits des Meeres liegen die weiten weiten Eukalyptuswälder, die voller Leben stecken. Dieser kleine Kumpel hier ist zum Beispiel ziemlich schwer zu sichten (weil er sich nicht viel bewegt). Doch wenn man ihn einmal ausfindig gemacht hat, kann man einfach nicht mehr weiter gehen. Viel zu niedlich sind sie - die Koalas...

Und Emus...



… und farbenfrohe Papageien.

Die Tierwelt Australiens fasziniert. Und es gibt noch viel, was wir sehen wollen. Wir sind im Australien-Fieber. Auch, wenn wir noch oft an Neuseeland zurückdenken und natürlich vieles vergleichen. Bei einer Wanderung entlang Wasserfällen und Schluchten, fanden wir uns plötzlich in einem Regenwald mit grünen Farnen und Lianen wieder - weg von trockener roter Erde und Savannen... Das erinnerte uns doch stark an unseren heiß geliebten Neuseelandwald. Auf diesen Bildern könnte man meinen, wir wären wieder dort:

Auch, wenn wir die Great Ocean Road nun hinter uns gelassen haben: Was bleibt, ist die gesunde Meeresluft. Wir machen eine 180 Grad Drehung auf der Landkarte und lassen euch bald wissen, wie es weiterging...

Lars und Desi

 

01Mai
2016

Into the Wild

Gleich am Dienstag Morgen erstanden wir beim netten Autoverleih von nebenan einen sich sehr geschmeidig fahren lassenden Hyundai i30. Gemeinsam mit einem Zimmermitbewohner aus Holland fuhren wir eine Stunde lang geradeaus. Das Ziel: Der Litchfield Nationalpark - 100 km südwestlich von Darwin.

Hier gibt es nach der Regenzeit auch in den für Touristen zugänglichen Bereichen noch hin und wieder Krokodile, weswegen viele Straßen und Schwimmlöcher gesperrt sind. Das klingt jetzt vielleicht etwas gruselig, aber wenn man immer schön den Schildern und Hinweisen folgt, kann man sich hier ziemlich sicher fühlen.

So war es auch uns möglich, hier und  da in natürlichen Schwimmlöchern baden zu gehen, da wo die Krokos nun schon ausgezogen sind. Im ersten "Pool" gab es zwar viele Menschen, dafür aber auch 2 Wasserfälle und eine Höhle - das sah einfach toll aus. Große schwarze Fische schwammen mit uns. "Pool" Nr. Zwei war einsam. Wir 3 waren die einzigen und konnten den Ort ganz für uns alleine erkunden.

Wir bestaunten Schluchten und Wasserfälle, die roten Felsen und die staubige rote Erde, die so richtig schön nach Australien aussehen und nach Abenteuer. Sogar unsere ersten Kängurus sahen wir hier und fuhren am frühen Abend zurück ins Hostel - stets geradeaus, wie vorher... vorbei an einigen "Roadtrains" ("Straßenzügen"), die anstatt einem Anhänger, wie unsere heimischen LKW... gleich 3 oder 4 Anhänger haben, was einen echt nervös machen kann....

Es folgte ein Tag der Vorbereitung, denn nun planten wir unseren Trip durch den größten Nationalpark Australiens! Der Autoverleih unseres Vertrauens stattete uns mit dem uns nun schon bekannten i30 aus und das 3tägige Abenteuer konnte losgehen. Knapp 900km streiften wir durch die Savannen, Eukalyptuswälder und staubtrockenen Wüstenlandschaften des Unesco-Weltkulturerbes.

Allzuviel Bewegung war durch die Temperaturen zwar nicht möglich, dennoch schafften wir es auf so einige rote Gesteinsbrocken hinauf und hatten wundervolle Ausblicke auf die flache weite Gegend.

Nirgendwo findet man heute noch so viel und so gut erhaltene Höhlenmalerei der Aboriginals. Die JÜNGSTE Mailerei die wir sahen, war schlappe 1000 Jahre alt!! Wir konnten vieles über die Kunstwerke erfahren, über ihre Bedeutung und Art der Herrstellung. So ist es den Aboriginals übrigens nicht gestattet gewesen, Kunststücke eines anderen zu kopieren - doch das Werk eines Anderen zu übermalen schon. So oft, wie man mag.

Der Kakadu Nationalpark ist im Übrigen noch heute im Besitz der Aboriginals und auch, wenn es hier sehr viele Touristen hinverschlägt, so ist doch der größte Teil des Parks nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Hier haben wir mit den Native Australiens nochmal völlig andere Erfahrungen gemacht, als in Darwin. Sie scheinen hier ihrer Kulur und ihren Bräuchen noch nachzugehen und sie zu pflegen.

Auch, wenn wir hin und weg waren, von allem was uns umgab und so viel sehen wollten, wie möglich.... die Hitze konnte einen echt fertig machen. Manchmal war es im Zelt so heiß, dass Lars mitten in der Nacht nochmal Duschen ging. Desi machten, zumindest in der allerersten Nacht, eher die Geräusche der nächtlichen Wildnis zu schaffen.. Ums Zelt herum kräuchte und fläuchte es und von weit her hörten wir sogar einen Dingo heulen "Wuuuuhuuu". Doch man gewöhnt sich tatsächlich an die Naturereignisse. Aus Angst wird Respekt und wenn man nur mit gesundem Menschenverstand an alles heran geht, dann kann man die Artenvielfalt der Tiere bestaunen und genießen und sie als das sehen, was sie sind: faszinierend. In unserer Zeit in Kakadu sahen wir unzählige Vogelarten, Eidechsen, Kängurus, Wallabies, bunte Spinnen, Temiten (waren allgegenwärtig und bauen faszinierende Hochhäuser), einen Dingo, eine sehr dünne aber sehr lange Schlange und schließlich... die Krokos!

Auf einer, man muss zugeben geführten, Bootstour auf dem Alligator River sahen wir aber zu allererst den Sonnenaufgang in der absoluten Traumkullise. Die Tour startete von einer Billabong aus, die von blühnendem Lotus überseht war, soweit das Auge reichte. Wir sahen viele seltene Vogelarten und ließen uns von der Umgebung verzaubern, zu der man nur auf diesem Wege Zugang erhält.

Unser Tourguide führte das Boot schließlich in den Yellow River und es dauerte nicht lange, bis wir das erste Salzwasserkrokodil sahen, wie es unter den Bäumen relaxte und uns keines Blickes würdigte. Kroko Numer zwei bedeutete richtig Action. Es schnappte nach einem Fisch - schnell wie ein Blitz. Die Salzwasserkrokodile sind übrigens die größten Krokodile der Welt! Nach 3 weiteren dieser 5 Meter Kolosse war unser absolutes Kakadu-Highlight auch schon vorbei.

Kakadu - ein 20.000 km² großes Paradies für eine unvorstellbare Vielfalt an Lebewesen. Und ein Ort der Geschichte, wo Aboriginals vor vermutlich 50.000 Jahren bereits lebten und noch heute ihrem alten Gewohnheiten nachgehen. Auch, wenn für uns nur ein kleiner Bruchteil dieses Ortes erreichbar war und wir ihn nie so verstehen werden, wie die Menschen, die dort leben... haben wir die Zeit genossen, vieles gelernt und nehmen eine tolle Erfahrung mit uns mit.

25April
2016

Im Down Under ganz oben

Man könnte meinen, wir befinden uns auf einem ganz anderen Planeten. Die Luft ist schwer und feucht. Die Kleidung feucht. Tropische Hitze. Bis zu 70% relativer Luftfeuchtigkeit. Dazu das Allgemeine, was uns umgibt. Palmen, exotische Vögelgesänge, das Meer in dem man nicht baden darf, weil „wenn dich die Krokodile oder Seevespen/Jellyfish (gefährliche Quallen) nicht kriegen, die Haie dich holen werden…“ Wir sind in Darwin. Der nördlichsten Großstadt Australiens. Und auch, wenn wir uns erst seit ein paar Tagen in diesem einfach unglaublich riesigen Land befinden, ist auch für uns der Unterschied zu Neuseeland nicht zu übersehen.

Aber am Besten fangen wir erstmal beim Anfang an. Und der Anfang dieses Berichtes kommt uns schon so weit weg und so lange her vor… die Erinnerung ist aber trotzdem nicht verblasst. Die letzten Stunden in Piha, der Abschied von Pam und Maik und unserem Caravan. Ein Freund von Maik brachte uns am 21.4. zum Flughafen. Wir waren auf dem Weg, Neuseeland zu verlassen. Durchs Fenster schauten wir uns alles nochmal ganz genau an, die Läden und Häuser, die Passanten und den Wald.

Und dann war es soweit, wir waren in Sydney. Der ältesten und größten Stadt Australiens. Zwei Tage verbrachten wir in der lebhaften Stadt und kamen in einem sehr sauberen und modernen Hostel unter. Unser Zimmer, wenn es auch ein 6-Bett Zimmer war, hätte perfekt sein können. Wären da nicht die Nächte gewesen. Denn da stellten sich zwei unserer Mitbewohner als leidenschaftliche Um-die-Wette- Schnarcher heraus. Man hätte meinen können, wir wären statt in Australien, in Kanada gelandet und würden unter Bären schlafen. Eine weitere Mitbewohnerin hatte dagegen in einer Nacht eine wirklich lautstarke Diskussion mit… mit wem eigentlich? Ihr Monolog hielt sogar unsere Schnarcher für eine ganze Weile vom Schnarchen ab. Schließlich stand sie auf, lief zu ihrem Spint, öffnete diesen, holte ihr Handy hervor und redete mit ihrem Handy. Dann verließ sie den Raum, wahrscheinlich immer noch schlafend. Eine Schlafwandlerin!

Wenn die Nächte überstanden waren, erkundeten wir die Stadt. Bei einer kostenlosen Stadtrundführung erfuhren wir viel über Sydneys (manchmal ziemlich kuriose) Vergangenheit und sahen die schönsten und wichtigsten Orte. Auch wenn uns Städte eigentlich nicht so interessieren und wir uns niemals vorstellen könnten, in einer solchen Metropole zu leben, hatte Sydney irgenwie etwas besonderes, etwas gloreiches an sich und wir haben die Zeit dort sehr genossen.

Zwei Tage und einen wackligen (findet Desi zumindest) Flug mit Jetstar später, begrüßte uns eine Wand aus tropischer Wärme an Darwins Flughafen. Wir wohnen in einem netten, kleinen, und ziemlich alternativen Hostel namens „Dingo Moon Lodge“. Die 6 anderen Mitbewohner unseres schlichten Zimmers sind nett und keine Schnarcher. Die meiste Zeit verbringen die Hostelmenschen hier am Pool. Ja, es gibt einen Pool! Aber es MUSS einen Pool geben, versteht ihr? Anders kann man kaum den Tag überstehen… Jedenfalls ist Darwin selbst eine eigentlich recht simple Stadt, die aber vieles an Kunst und Geschichte über die Aboriginals, die Ureinwohner Australiens, zu bieten hat. Wir waren schon in mehreren der Kunstaustellungen und finden wirklich Gefallen an der feinen Art ihrer Malerei. Doch unglücklicherweise ist ansonsten nicht sehr viel von der interessanten Kultur der „First Australiens“ übrig geblieben. Von Neuseeland waren wir die stolze Art und Weise der Maoris gewohnt. Vieles konnte man dort über sie lernen, ihre Tänze sehen, ihre Lieder hören, ihre Geschichten erfahren. Ihre berühmten Schnitzerein fand man in ganz Neuseeland, vom großen Flughafen Aucklands, bis hin zum klitzekleinen Dörfchen auf der Ostküste, irgendwo im Nirgendwo. Nicht nur die Maoris selbst waren stolz auf sich. Ganz Neuseeland war stolz auf diesen Aspekt seiner Kultur. Hier ist das leider leider anders. Wir haben das Gefühl, dass die meisten Leute hier einen großen Bogen um die Aboriginals machen. Sogar teilweise Angst, aber wenig Respekt vor ihnen haben. Viele von ihnen schlafen auf der Straße oder am Strand. Eines Abends fragte uns ein älterer Mann nach einem Dollar für ein Brot. Auf den ersten Blick haben wir das Gefühl, dass sie in dieser Gesellschaft eher existieren als wirklich an ihr teilzuhaben.

Auch, wenn dieser Bericht nun schon recht lang ausfällt, müssen wir euch noch von einer wirklich witzigen Begegnung erzählen. Wir saßen am Flughafen und warteten auf unseren Flieger nach Darwin, wir hatten Internet und Zeit. So kam Desi einfach so aus dummem Zufall auf die Idee, sich mal wieder bei Linda zu melden. Linda und Danny sind ein Pärchen aus den Niederlanden, das mit uns gemeinsam 2 Monate in Kerikeri in Neuseeland verbracht hatte. Wir waren gute Freunde geworden und haben uns seither immermal wieder beieinander gemeldet. So auch an diesem Tag. „Hallo ihr Zwei. Wie geht’s euch? Uns geht’s gut. Wir sind in Australien!!! Genauer gesagt in Darwin, ab heute Abend.“ So oder so ähnlich hatte die Nachricht geklungen. Promt kam die aufgeregte Antwort von Linda. „Das gibt’s doch nicht. Wir sind auch in Darwin. Sind heute angekommen!!!!“ Wir alle konnten diesen Zufall kaum fassen. Wie erwähnt ist Australien riesig. Größer als Europa… Und trotzdem trifft man einfach so aus heiterem Himmel zwei Freunde.

Zwei tolle Nachmittage verbrachten wir mit Danny und Linda in Darwin. Tranken eins, zwei,... Bier, schnatterten ununterbrochen, aßen Krokodils Burger und sahen einen wundervollen Sonnenuntergang.

Mit einem Zelt, das wir von den beiden geschenkt bekamen, können wir nun unser eigentliches Vorhaben angehen, den Grund, warum wir nach Darwin gekommen sind: die Nationalparks… Ihr dürft gespannt sein. Und wir auch.

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.